CENTER FOR HUMAN FACTORS

KAISERSLAUTERN

Projektdetails

Digital Change mitarbeiterorientiert begleiten

Das Projekt „Altersgemischte Digitalisierungsteams“

 

HERAUSFORDERUNG

Zeitgleich zum digitalen Wandel arbeiten in Unternehmen heute teilweise bis zu vier Generationen zusammen. Will man den digitalen Wandel in der Organisation angehen, müssen Vorbehalte älterer und/oder wenig technikaffiner Beschäftigter bzgl. einer Digitalisierung erkannt und integriert werden, ebenso das implizite Prozesswissen erfahrener Mitarbeiter. Die sog. Generation Y (d.h. geboren nach 1981) wird als beweglich und interessiert im Umgang mit neuen Technologien und interaktiven Lernmedien skizziert. Diese Potenziale werden von den Unternehmen bislang nicht systematisch genutzt.

Mit Blick auf die Chancengleichheit für alle Beschäftigten stellt sich die Herausforderung, Arbeitssysteme so zu gestalten, dass auch ältere sowie weniger technikaffine Mitarbeiter mit ihrem Erfahrungswissen aktiv in den digitalen Wandel einbezogen werden und von den neuen Technologien profitieren können. Insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) mit 10 bis 250 Mitarbeitern gilt es, Demografie-taugliche Ansätze zu etablieren, die das Wissen junger und älterer sowie technikaffiner und weniger technikaffiner Mitarbeiter bei der Gestaltung und dem Einsatz digitaler Angebote integrieren.

 

VORGEHEN UND ZENTRALE ERGEBNISSE

Die Unterstützung der KMU richtete sich an den Bedarfen der jeweiligen Unternehmen aus, um sicherzustellen, dass die Betriebe an dem Punkt der Digitalisierung abgeholt werden, an dem sie zum Zeitpunkt der Projektarbeit stehen und für den sie eine Motivation mitbringen. Somit wurden insgesamt 6 KMU in Rheinland-Pfalz über 6 Monate hinweg intensiv begleitet.

Im Zuge der Bedarfserhebung vor Beginn der Arbeit mit den Betrieben zeigte sich, dass es den betreffenden Akteuren in den Unternehmen weniger um eine Steigerung des IT-Wissens oder um fachliche Inhalte der Technik ging, sondern sie sich stattdessen eher Kompetenzen in der Prozessbegleitung wünschten. Dies sei der „Schlüssel“ zur effektiven Einführung neuer Technologien und zur zukünftigen Aufgeschlossenheit gegenüber Neuerungen im digitalen Wandel der Arbeit. Die Mehrheit der Unternehmen berichteten von der Erfahrung in der Vergangenheit, einige Mitarbeiter nur schwer von der Einführung neuer Technologien überzeugen und zur Nutzung motivieren zu können. Aus der Prozessbegleitung erhofften sie sich Lösungsansätze, diesen Erfahrungen zukünftig gerechter werden zu können. Dreh- und Angelpunkt kann hier ein „Altersgemischtes Digitalisierungsteam“ sein.

ANALYSE DES BETRIEBLICHEN REIFEGRADES

Bevor im Rahmen der Projektarbeit ein Digitalisierungsteam etabliert werden konnte und seine Arbeit aufnahm, wurde in den Unternehmen eine Erhebung von Indikatoren vorgenommen, die die Rahmenbedingungen zur Gestaltung der Mensch-Technik-Interaktion in KMU erfassen und hierbei v.a. die Berücksichtigung der Anforderungen und Fähigkeiten verschiedener Altersgruppen im Unternehmen abbilden (Reifegradanalyse). Gleichzeitig konnten mitarbeiterbezogene Indikatoren herausgearbeitet werden, die die Erwartungen an die Gestaltung der Mensch-Technik-Interaktion sowie Kenntnisse, Fähigkeiten und Motivationslage im Umgang mit digitalen Technologien am Arbeitspatz erfassen. Das Indikatorenset richtet sich an Mitarbeiter verschiedener Altersklassen. Die Analyse zeigte vor allem, dass sehr viele Betriebe in der Vergangenheit die Erfahrung gemacht haben, dass die Bereitschaft und die Kompetenz der Mitarbeiter, neue Technologien einzuführen, sehr unterschiedlich ausgeprägt ist, und dass bei der Implementierung hier vor allem menschliche Hemmnisse eine Rolle spielen. Allerdings wird durch die Analyse auch deutlich, dass in der Mitarbeiterschaft der teilnehmenden Betriebe durchaus das Potential vorhanden ist, altersgemischte Ansätze zur gegenseitigen Unterstützung bei der Einführung neuer Technologien zu realisieren.

Eine detaillierte Beschreibung der Ergebnisse der Reifegradanalyse „Mensch und Technik“ finden Sie hier

 

ALTERSGEMISCHTE DIGITALISIERUNGSTEAMS ALS NUKLEUS

Ein wesentliches Kernelement der Projektarbeit war die Einführung eines altersgemischten Digitalisierungsteams in jedem Betrieb. Dieser Ansatz diente als niederschwellige, in den laufenden Betriebsalltag integrierbare Lernform, und ist schon an sich ein praxistauglicher Lösungsansatz für den erfolgreichen Umgang mit dem digitalen Wandel. Er diente aber auch als „Nukleus“ für die Entstehung weiterer Lösungen, in dem das Team Anstöße für die (innovative) Weiterentwicklung von Arbeitssystemen, Personalentwicklungsmaßnahmen sowie Führungs- und Kommunikationsprozessen liefern konnte. Dadurch wurden die beteiligten KMU dazu befähigt, nachhaltig und eigenständig Anpassungen jetzt und in Zukunft umzusetzen.

Lesen Sie hier mehr über den Ansatz „Altersgemischte Digitalisierungsteams“

ENTWICKLUNG EINER DIGITALEN ANWENDUNG

Im Laufe des Projektes wurde anforderungsbezogen ein Demonstrator einer mobilen Applikation entwickelt, um Digitalisierungsteams in Veränderungsprojekten passgenau zu unterstützen. Grundlage sind konkrete Fälle aus dem Arbeitsalltag, um sog. Fallbasiertes Lernen im Veränderungsprozess zu gewährleisten.

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INDIKATOREN EINER EFFEKTIVEN EINFÜHRUNG NEUER TECHNOLOGIEN

Folgende Indikatoren zur Einführung neuer Technologien wurden anhand der Reifegradanalyse und der abschließenden Evaluation des Projektes identifiziert, die sich auch im Laufe der Prozessbegleitung durch das Projektteam wiederfinden ließen und regelmäßig diskutiert wurden:

  • Offenheit der Kommunikation zwischen allen Beteiligten
  • Fehlertoleranz der Geschäftsführung
  • Ausgereiftheit von Technik und Infrastruktur
  • Wertschätzende und unterstützende Unternehmenskultur
  • Ausreichende Zeitressourcen für die Einführung neuer Technologien, um Routine entstehen zu lassen
  • „Treiber in Person“ muss/müssen vorhanden sein
  • Vorhandensein einer gemeinsamen Sprache („common ground“)
  • Einbeziehen aller Abteilungen und Hierarchieebenen
  • Geschäftsführung in der Federführung (muss nicht der Treiber sein)
  • Offenheit der Teilnehmer für das Thema Technik/Technologie

 

MITARBEITERORIENTIERTE LÖSUNGSANSÄTZE

Darüber hinaus konnten unternehmensübergreifend folgende Hemmfaktoren identifiziert und konkrete Ansätze zu deren Überwindung erarbeitet und zum Teil auch erprobt werden:

  • Fehlende Routine/ Berührungspunkte > Lösungsansatz: Probezeit für die Technik mit anschließender Bewertung
  • Fehlende Kompetenzen im Unternehmen > Lösungsansatz: Unterschiedliche Schulungskonzepte für diverse Kompetenzen
  • Angst vor Neuem > Lösungsansatz: Patenkonzepte, Mitarbeiter als Botschafter, Skeptiker als Experten, Routine durch Übung aufbauen
  • Aufwand durch datenschutzrechtliche Bestimmungen / Mitbestimmung > Lösungsansatz: Datenschutzbeauftragte & Mitarbeitervertretung einbeziehen
  • Nicht funktionierende Technik > Lösungsansatz: Externe Beratung, kompetente Fachkraft aufbauen
  • Schnelllebigkeit des technologischen Fortschrittes > Lösungsansatz: Digitalisierungsteam als ständige Markt-/Umfeldbeobachter

 

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